Wie sinnvoll ist es Filmmusik ohne den Film zu bewerten?

Sinn, Wirkung, Werdegang und Entwicklung von Filmmusik

Mal ehrlich: Wie bewertest du Filmmusik?

Überwiegend anhand der veröffentlichten CD.
3
27%
Gleichermaßen anhand der veröffentlichten CD und den Eindrücken im Film.
7
63%
Überwiegend nach meinen Eindrücken im Film.
1
9%
 
Abstimmungen insgesamt : 11

Wie sinnvoll ist es Filmmusik ohne den Film zu bewerten?

Beitragvon Bakterius am Sonntag 8. Oktober 2006, 15:13

Gern diskutieren wir darüber, ob uns der eine oder andere Soundtrack gefällt. Doch wie sinnig und gerecht ist es über ein solches Werk isoliert auf einem Tonträger zu urteilen, welches eigentlich in anderer, gezielter Funktion entstanden ist, nämlich als Original Soundtrack für einen Film?

In erster Linie fungiert ein Filmkomponist als Dienstleister, der eine entsprechende Dienstleistung erbringt. Er komponiert nach den Wünschen und Vorgaben des Regisseurs oder Produzenten, welcher sicher mal mehr oder mal weniger direkt auf die Komposition Einfluss nimmt, sei es auch nur auf globaler Ebene betreffend der Stimmung, des Volumens oder des persönlichen Geschmacks.

Ein Filmkomponist versteht sich darüber hinaus sicher auch als Künstler und stellt entsprechend künstlerische Ansprüche an seine Arbeit, so wie es ein Schauspieler, Regisseur oder Kameramann auch tut. So stellt sein Werk ein Spagat zwischen seinem persönlichen Anspruch und den Wünschen des Auftraggebers dar. Es dient als eines von vielen Elementen, die letztlich einen Film ergeben und ist entsprechend auf den Film zugeschnitten.

Filmmusik ist als ein eben beschriebenes Element eines Films heutzutage oft auch allein, also isoliert zu erwerben und zu genießen. Auch wenn die Musik in Komposition und Zusammensetzung für das Erscheinen auf CD entsprechend angepasst und verändert wird, so kann man sich dennoch die Frage stellen, inwieweit man den Eindruck, den man von diesem Tonträger allein gewinnt, überhaupt als Wertung für die Arbeit des Filmkomponisten heranziehen kann. Denn was im Film durchaus funktioniert und sinnvoll erscheint, muss auf CD nicht unbedingt angenehm zu hören sein. Dies gilt natürlich auch für den umgekehrten Fall.

Neben der Interpretation zwischen persönlichem Geschmack und künstlerischen Wert steht also auch die mögliche Diskrepanz zwischen dem Wirken im Film und auf CD. Was also bewerten wir wirklich, wenn wir Filmmusik hören?
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Beitragvon Waldbär am Sonntag 8. Oktober 2006, 17:54

Das ist mal eine schwere Frage. Meistens bewerte ich nach dem, was ich als erstes gesehen/gehört hab, aber nicht generell. Manchmal auch einfach das, was mir besser gefällt... nein, ich glaub den Großteil meiner Wertung macht immer noch das Musikalische aus, getrennt vom Film. Vielleicht so 60 zu 40% im Verhältnis denke ich.
Wobei in der Wirkung im Film die musikalische Qualität auch eine große Rolle spielt, das ist alles so eng verknüpft! Anhand der CD kann ich natürlich sowieso nur urteilen, wenn ich sie habe und das ist noch nicht so sehr häufig, insofern... ich glaube, ich wage nicht, diese Umfrage zu beantworten, denn ehrlich gesagt: ich hab keine Ahnung! 8)
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Beitragvon Nebukadnezar am Sonntag 8. Oktober 2006, 22:45

Ich denke die Frage ist eng mit der verknüpft, was Filmmusik überhaupt ausmacht. Wie werden wir denn auf einen Soundtrack aufmerksam? Doch meist durch den jeweiligen Film. Sicher gibt es auch noch andere Wege auf die Scores der Filme aufmerksam zu werden, beispielsweise durch das Radio. Doch bewertet man dann natürlich nur die Musik und erkennt möglicherweise nicht was sie ausdrücken soll?! Wenn ich einen Soundtrack höre dessen Film ich noch nicht gesehen habe, ist das 'Hörerlebnis nicht ganz vollständig', mir fehlen eindeutig die Bilder zum Film. Das ist es meiner Meinung nach was Filmmusik ausmacht, die Bilder und emotionen die sie mit sich trägt. Gefällt mir ein Score ohne dass ich den Film gesehen habe, gefällt mir zwar die Musik, doch erlebt man es als Soundtrack?

Auf der anderen Seite muss ich sagen, ich habe sicherlich schon so manchen Film gesehen in dem mir die Filmmusik absolut nicht zugesagt hat, obwohl der Film an sich eigentlich ganz gut war. So bewerte ich selbstverständlich auch anhand der veröffentlichten CD.
Welcher von diesen Beiden Faktoren überwiegt lässt sich glaube ich pauschal nicht sagen, aber wenn ich einen Soundtrack höre möchte ich auf jeden Fall den Film dazu gesehen haben, oder in nacher zukunft sehen :)
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Filmmusik und ihre Bewertung

Beitragvon voltaire am Samstag 14. Oktober 2006, 19:13

Generell bin ich der Meinung das es "sinnig und gerecht" ist über Filmmusik wahrgenommen in Filmen als auch über die Filmmusik isoliert auf der CD angehört zu urteilen. Letztlich verhält es sich meiner Meinung nach nicht anders als mit allen anderen künstlerischen Werken, beispielsweise Literatur oder ein Gemälde.
So kann ich eine Geschichte lesen und kann sie anregend finden, ich kann sie analysieren und interpretieren und mir die ein oder anderen Gedanken zu Inhalt, Form und Gesamtintention machen, ich kann aber auch über den Verfasser einiges in Erfahrung bringen und sein Werk vor dem Hintergrund seiner Biographie und seiner Zeit betrachten. Manchmal ergeben sich dann neue Eindrücke und Erkenntnisse, manchmal bleibt es sich aber auch gleich.
Ich denke mit einer Filmmusik kann man genauso verfahren. Meistens hört man einen Score zum ersten Mal im Film, man kann ihn als solches gut oder schlecht finden, in Relation zum Film passend oder nicht passend. Nicht selten kommt es vor, dass die gehörte Musik zwar schön anzuhören ist, aber überhaupt nicht zu den jeweiligen Szenen des Films zu passen scheint. Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Filmmusiken, die man ohne den Film gesehen zu haben grässlich findet, nach dem Schauen des Films jedoch im einiges besser.
Zusammenfassend kann man sagen, dass zwischen Musik und Film eine enge Verbindung besteht, so eng, dass man beides immer nur letztendlich mit der Kenntniss von Film und der Musik wie man sie auf der CD separat hört, betrachten kann.

Nebukadnezar schrieb, wenn er Filmmusik hören würde ohne den Film gesehen zu haben, sei sein "Hörerlebnis nicht ganz vollständig", weil ihm die Bilder fehlen würden.
Man kann auch die gegenteilige Entwicklung beobachten. Kenne ich beispielsweise die Handlung des Films, ohne ihn schon gesehen zu haben, und höre nun den Soundtrack auf CD transportieren die Stücke in der Tat Bilder und zwar eine Menge. Selbst ohne irgendeine Ahnung von den Film zu haben sind Bilder vorhanden und auch wenn ich den Film bereits gesehen habe und die Musik dazu höre, kann es durchaus vorkommen, dass die Musik neue Bilder transportiert, beinahe wie "rausgeschnittene Szenen", die so im Film nicht zu sehen waren.
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Re: Filmmusik und ihre Bewertung

Beitragvon Nebukadnezar am Sonntag 15. Oktober 2006, 15:40

voltaire hat geschrieben:[...] Kenne ich beispielsweise die Handlung des Films, ohne ihn schon gesehen zu haben, und höre nun den Soundtrack auf CD transportieren die Stücke in der Tat Bilder und zwar eine Menge. Selbst ohne irgendeine Ahnung von den Film zu haben sind Bilder vorhanden und auch wenn ich den Film bereits gesehen habe und die Musik dazu höre, kann es durchaus vorkommen, dass die Musik neue Bilder transportiert, beinahe wie "rausgeschnittene Szenen", die so im Film nicht zu sehen waren.


Ich kann voltaire in gewisser Weise zustimmen. Doch nur in gewisser Weise, da ich denke, dass man diesen Umstand nicht pauschalisieren kann. Sicherlich liefern viele Filmmusiken allein durch ihren Charakter eine Menge von Bildern bzw Emotionen, doch gibt es auch welche bei denen das nicht der Fall ist. Als für mich sehr extremes Beispiel möchte ich hier mal "The Day after Tomorrow" anführen.
Ein wesentlicher Faktor der Bewertung ist auch der Name des jeweiligen Komponisten und die damit verbundene musikalische Charakteristik, die er seinem Werk verleiht. Wo der Name also als Gütesiegel gesehen werden kann, vertraue ich auch auf die Fähigkeit des Komponisten die dem zugehörigen Film zugrunde liegenden Bilder in seinem Werk emotional gut zu transportieren. Aber wieder muss ich diese Aussage einschränken, da man auch diese Ansicht nicht pauschalisieren kann.
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